Wir über uns

 

Wir spielten im Herbst 1964:

"Gerüchte"

 

Volkskomödie in 3 Akten

von Else Granzow

Regie: Otto Schröder

 

 

Aufführungstermine

Freitag, 23. Oktober 1964

Sonnabend, 24. Oktober 1964

 

Aufführungsort

Heidehaus

 

Personen und Darsteller

Anne Stöcklein:

Hilma Wieck

Hermann Stöcklein, ihr Sohn:

Ulli Prehm

Frieda Stöcklein, ihre Tochter:

Anke Wehr

Fritz Butenschön:

Heiner Tewes

Hans Willers, Hauswirt:

Egbert Wieck

Gustav Machill, Nachbar:

Willi Brunckhorst

Ursula Machill, dessen Frau:          

Ingrid Zimmer

Kriminalbeamter:

Erich Hübner

 

Hinter den Kulissen

Speelbaas:

Otto Schröder

Toseggersch:

Rita Rölink

Maskenbildner:

Friseurmeister W. Brock

 

Handlung

Der Hausfrieden ist bedroht! Wen wundert das? Der Vater ist bei Ganstern verschollen, der Sohn organisiert aus Rache eine Jugendbande mit "edlen" Zielen, die Tochter lebt in wilder Ehr mit dem Oberkellner - wie Gerüchte wissen wollen.

Otto Schröder hat das Stück inszeniert, das nicht nur der wachsenden Jugendkriminalität etwas entgegensetzen will, sondern auch spießbürgerliche Geschwätzigkeit glossiert.

 

Presse

Noch kein Platz für Volksbühne
Wedels Theaterblut pulsiert in Rissen / Kann in der neuen Strandbadgaststätte gespielt werden?
Wedel. Sechs Wedeler Volksbühnen-Schauspieler und eine Wedeler Souffleuse freuen sich darauf, im Herbst 1964 und im Frühjahr 1965 endlich einmal wieder in ihrer Heimatstadt auf den Brettern wirken zu können. Sie sind Mitglieder des Ensembles der Volksspielbühne Rissen. Der Wedeler Postbeamte Heinrich Tewes ist sogar seit drei Jahren der Spielleiter dieser Amateurtheater-Gruppe. Das mimische Talent der Wedeler Bühnenamateure wird von der Freien und Hansestadt Hamburg gefördert und hoch' bewertet. In Wedel gibt es für solche Talente seit Jahren keinen Raum, auch keine Förderung. Nur in gelegentlichen Gastspielen der Rissener Bühne finden sie Gelegenheit, sich dem Publikum ihrer Heimatstadt vorzustellen. Wedeler spielen dann als Gäste in Wedel.
Als dem „Theaterverein Wedel-Schulau von 1919" nach mehr als 5Ojährigem Bestehen die Proben- und Spielstätte vor einer Reihe von Jahren entzogen wurde, weil der alte Köhlersche Gasthof in der Spitzerdorfstraße seine Pforten schloß, war das für alle Wedeler Freunde der Volksbühnenkunst ein schwerer Schlag. Die über 20 aktiven Mitglieder des Vereins konnten sich in ihrer Heimatstadt nicht mehr produzieren. Einige von ihnen suchten und fanden Anschluß bei der Volksspielbühne Rissen. Rissen gehört zu Hamburg. In Hamburg steht die Volksbühnenkunst hoch im Kurs. Die Kulturbehörde tut viel dafür. Den Rissener Spielern war der Zustrom frischen Wedeler Theaterblutes sehr willkommen. Heinrich Tewes gefiel den Rissenern so gut, daß sie ihm das Amt des Spielleiters übertrugen. Seine junge Ehefrau Christel wirkt als Regieassistentin. Nicht nur ein fester Wedeler Stamm trat zum Ensemble Rissen über, sondern auch Einzelspieler der alten Wedeler Theatergruppe übernehmen immer wieder Rollen in Rissen. Wedels Theaterblut pulsiert in Rissen!
Die Rissener Bühne ist in Hamburg sehr geachtet. Auf der einzigen Freilichtbühne Hamburgs im Stadtpark von Barmbek-Uhlenhorst spielen die Rissener und Wedeler sehr oft. Von weit und breit strömen die Hamburger zu diesen Aufführungen. Sonderkommandos der Polizei müssen an diesen Sommersonntagen den Autoverkehr um den Stadtpark regeln, so groß ist der Andrang. Und für alle diese Aufführungen der Rissener Bühne und ihrer Wedeler Spieler zeichnet der Wedeler Tewes verantwortlich. Hamburgs Kulturbehörde hat sogar die Rissener Bühne mit Aufführungen auf Hahnöfersand beauftragt. Die Volksbühnenspieler von Rissen und Wedel sollen den Jugendlichen, die auf dieser Elbinsel Strafen verbüßen, zur gesunden Lebensfreude und zur moralischen Aufrüstung verhelfen.
Im Juni dieses Jahres fand in Hamburg eine von der gesamten Presse der Hansestadt eingehend gewürdigte Gemeinschaftsaufführung der Hamburger Volksbühnen statt. Die einzelnen Rollen des Volksstückes „Dat Appelspill" waren mit den jeweils besten Darstellern der verschiedenen Volksbühnen der Hansestadt besetzt. Heinrich Tewes aus Wedel, als der beste Darsteller des Rissener Ensembles anerkannt, spielte die symbolische Rolle des Lebens.
Ein Wedeler war den Hamburgern gut genug, um das Leben zu verkörpern. In Hainberg, nicht in Wedel! Soeben hatte die Kulturbehörde Hamburg Spielleiter und Darsteller der Volksbühnen zu einem Lehrgang zusammengeholt. Auch Heinrich Tewes war wieder dabei. Er ist dankbar für diese Förderung. Er erklärte dem Wedel-Schulauer Tageblatt: „Die Verbindung mit den Hamburgern bringt uns viele Freude. Am liebsten aber würden wir gern Proben und Spiel in unserer Heimatstadt wieder aufnehmen. Das schließt nicht aus, daß die Verbindung mit Hamburg bestehen bleibt. Im Gegenteil: die Hamburger Volksbühnen trachten danach, gleichzeitig mit ihrem Wirken aus den Randgebieten Impulse zu beziehen. Ihnen geht es um die Aufrechterhaltung des Ursprünglichen, um die Förderung der mimischen Freude, die in viel mehr Menschen steckt als man ahnt. Wer spielt nicht gern eine Rolle? Wenn wir in Wedel verkünden könnten, wir nehmen morgen mit unserem Wedel-Schulauer Theaterverein Spiel und Proben in Wedel wieder auf, strömt die Jugend zu uns. Immer wieder werden wir gefragt, ob wir nicht bald wieder anfangen. Vielleicht bietet die neue Strandbadgaststätte eine erste Möglichkeit. Vielleicht ließe sich ein Podium bauen, das gleichzeitig der Gaststätte dient!"
Dieser erste Silberstreifen am Horizont, der hier angedeutet wird, bedarf der Gespräche, sicher auch der Einschaltung wohlwollender fördernder Stellen Eigentlich müßte der Theaterverein Wedel-Schulau in Wedel eine Chance haben. Gewissen Traditionen ist man doch in Wedel durchaus geneigt. Das Wort, daß der Prophet nichts in seinem Vaterlande gilt, sollte, auf diesen Fall bezogen, in Wedel keine Gültigkeit mehr haben, denn Wedels Volksschauspieler, hauptberuflich Angestellte, Handwerker, Selbständige, Beamte und Hausfrauen, haben sich auf den Brettern, die auch für sie die Welt bedeuten, außerhalb ihrer Heimatstadt gut bewährt, nämlich in Hamburg. Dort liebt man sie.

(Wedel-Schulauer Tageblatt)

 

„Gerüchte"
Am 25. 10. kamen sie aus Rissen, denn die V.B. Rissen hatte sie in die Welt beziehungsweise Bühne gesetzt. Sogar als Uraufführung, denn die Besucher bekamen sie aus erster Hand, und geschrieben wurde das Stück von einem Mitglied: E. Granzow. Als Handlung hatte es den alten und doch ewig neuen Klatsch und Tratsch der Nachbarn. In seiner Sprache war es meiner Meinung nach manchmal etwas zu drastisch, trotz allem hat mir das Stück an Inhalt und Aufbau gefallen. Der Spielleiter O. Schröder hatte es sich wirklich nicht leicht gemacht, aus seinen Spielern die Typen zu formen und zum Erfolg zu bringen. Hilma Wieck als Anne Stöcklein war der Punkt, um den sich alles drehte, die aber auch auf Grund ihrer spielerischen Fähigkeit jeden auffing, der abzurutschen drohte. Ulli Prehm als ihr Sohn Hermann, das erste Mal auf der Bühne, konnte nicht so recht mit seiner Rolle fertig werden. Er hatte es am leichtesten, er brauchte nur sich selbst zu spielen, es war alles noch zu gekünstelt und zu steif. Anke Wehr als Tochter Frieda war gut, nur der Rolle nach hätte sie mehr auf Luderchen spielen können. Heinrich Tewes, als Fritz Butenschön kennt jedes Brett auf seiner Bühne, ist in jedem Sattel gerecht, und damit wäre alles gesagt. Egbert Wieck und Willi Brunck-horst als Hauswirt und Nachbar haben aus ihren Rollen gemacht, was herauszuholen war, und es war nicht wenig. Ingrid Zimmer als Gerüchte machende Nachbarin, agil von den Zehenspitzen bis zum Kopf, hat eine Version einer klatschsüchtigen Frau hingelegt, daß man seine helle Freude hatte — die ganze Frau nur Mundwerk. Erich Hübner als sächselnder Kriminalinspektor hatte schon durch seine Sprechweise einen Erfolg, den er spielerisch abrundete. Alles in allem ein guter Erfolg für die Autorin des Stückes, für die V.B. Rissen ein volles Haus, fürs Publikum ein heiterer Abend. Da sage noch einer, in den Randgebieten sei nichts los. Frei nach der V.B.-Zeitung würde ich sagen: vier Sterne.
(Verbandskritiker Herbert Müller)

 

Die Autorin der „Gerüchte ist eine Rissenerin
Rissen. Am Wochenende brachte die Volksspielbühne Rissen „Gerüchte!" als Uraufführung. Regie Herr O. Schröder. Mit Schwung und Liebe ließen die Amateurspieler die Volkskomödie abrollen. Der Saal des „Heidehauses" konnte kaum alle Theatergäste fassen.
Auf der Bühne mußte Frau Stücklein nach über zwanzigjähriger Ehe plötzlich Vater und Mutter, Hausfrau und Ernährer sein. Ihr Mann, der Käppen ist auf irgendwelchen wilden südlichen Inseln verschollen. Sie laviert nun tapfer durch die Klippen der Geldknappheit und bemüht sich, Tochter Frieda (Anfang zwanzig) und Sohn Hermann (17) zu reellen Menschen zu erziehen. Hermann will für Gerechtigkeit gegen Unrecht kämpfen. Er tut es mit seiner Bande der „Weißen Hand", aber nicht gerade mit legalen Mitteln. Frieda beschnackt ihre Mutter, dem Verlobten Butenschön ein Zimmer zu vermieten, weil dann alle zusammen besser mit dem Geld auskommen werden. Was für Stoff für Gerüchte! Sie zaubern Hermann in einen jugendlichen Gangsterboß um und den Käppen in einen Waffenschmuggler und Weiberhelden. Frau Stöcklein wird ein Verhältnis mit dem tutigen Hauswirt angedichtet und dann Frieda und ihr Verlobter... Herr und Frau Machill schwelgen in diesen Gerüchten, teils l'art pour l'art, teils um Frau Stöcklein zu zwingen, mit ihnen die Wohnung zu tauschen.
Aber zum Schluß triumphiert doch die tapfere Mutter: ihr Mann, der unschuldig im Gefängnis saß, wird zurückkommen. Der Hauswirt hat sich mit einer anderen verlobt. Hermann entwächst dem schwierigen Alter und Tochter Frieda ist schon lange amtlich verheiratet.
Den Problemen dieser Handlung folgt ständig ein schmunzelnder Humor. Immer wieder verblüfft Situationskomik die Zuschauer. Immer wieder lachen die Zuschauer und geben Applaus mitten in der Szene. Es ist ein voller Erfolg, zu dem alle Schauspieler beitrugen:
Niemand wußte, daß die Autorin des Stückes, Else Granzow aus Rissen, mitten unter den Zuschauern saß. Sie ist Schauspielerin des ehemaligen Ernst Drucker- und jetzigen St. Pauli-Theaters. „Gerüchte" ist ihr erstes Volksstück. Es hat Herz und Humor und die Handlung ging von Anfang bis Ende zügig, ohne müde Stellen weiter. Toi, toi, toi für weiteres Schaffen.

(Norddeutsche Nachrichten)

 

Tratsch der Nachbarn war umsonst
Volksspielbühne Rissen gastierte mit Volkskomödie in Wedel
Mit der Volkskomödie „Gerüchte" von E. Granzow in drei Akten hat die Volksspielbühne Rissen in der Schauburg in Wedel erfolgreich gastiert. Das Gerücht um den un­moralischen Lebenswandel im Hause von Anne Stöcklein bestimmt den Gehalt des Stückes. Frieda Stöcklein wohnt in der Wohnung ihrer Mutter mit ihrem zukünftigen Ehemann Fritz Butenschön Zimmer an Zimmer. In allen Ehren, versteht sich. Aber nicht für die lieben Nachbarn. Gustav Machill und Frau Ursula waren auf die Stöckleinsche Wohnung im Tauschwege aus und sahen sich in ihren Hoffnungen arg enttäuscht, als der Herr Untermieter einzog.
Ursula Machill, prächtig dargestellt als keifende Schludertante von Ingrid Zimmer, ver­sucht der biederen Familie Stöcklein die höchste Unmoral anzudichten. Selbst die Ord­nungshüter werden bemüht und Erich Hübner erscheint als sächselnder Kriminalbeam­ter auf der Bühne vom Sittendezernat der Kripo und stellt hochnotpeinliche Verhöre für die biedere Mutter Stöcklein, lebensecht gespielt von Hilma Wieck, an. Natürlich merkt der „Kriminaler" sofort, daß hier höchst kuriose Dinge gespielt werden. Und es kommt schließlich doch ans Tageslicht, nämlich die große Unmoral der jungen Leute, die gar keine ist, weil sie längst verheiratet sind.
Das durften sie nur nicht sagen, weil Fritz Butenschön, den der Wedeler Heinrich Tewes etwas übertrieben als zuvorkommenden Oberkellner spielt, noch seine reiche Erbtante beerben wollte. Sie hatte ihm nämlich ihr Geld vermacht unter der Bedingung, daß er die Frieda (Anke Wehr aus Wedel) nicht heiraten dürfe. Glücklicherweise starb die reiche Erbtante rechtzeitig, so daß die Unmoral im Hause Stöcklein rechtzeitig als normale Ehe aufgeklärt werden konnte. Sonderlob verdient in der Aufführung auch der Hauswirt Hans Willers, den Egbert Wieck prächtig spielt als leicht verrückten Junggesellen.

(Wedel-Schulauer Tageblatt)

 

Szenen-Fotos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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